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Jura Höhenweg

Einmal quer durch die Schweiz wandern. Das war schon lange mein Traum. Für das Jahr 2017 habe ich mir nun den Jura-Höhenweg vorgenommen. Über 310 Kilometer mit 13800 Höhenmeter führt dieser von Dielsdorf (ZH) über den Jurabogen bis nach Nyon (VD). Unterteilt ist die Strecke in 15 Etappen. Jede zwischen 13 und 32 Kilometer lang.

Aktueller Stand


6 von 15 Etappen | 124 von 310 Kilometer | 5490 von 13800 Höhenmeter
Nächste Etappe von Frinvillier auf den Chasseral
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Prolog

Schon seit Jahren geistert in meinen Gedanken die Idee herum, einmal quer durch die Schweiz zu wandern. Konkretisiert hat sich diese Idee aber nie wirklich. Bis vor kurzem habe ich mir das von der Kondition her auch nie zugetraut. 2013 habe ich dann Geocaching entdeckt Dieses doch etwas spezielle Hobby führte mich bisher in viele schöne Gegenden der Schweiz.

Zu Beginn war ich schon auf 5 Kilometer lange Touren sehr stolz. In den folgenden Jahren wurden die Wanderungen immer länger und länger, so dass ich letztes Jahr meine erste 28 Kilometer lange Tour unternahm. Diese langen Touren gefielen mir sehr gut. So kam dann auch wieder die Idee zum Vorschein, quer durch die Schweiz zu wandern.

Irgendwann bin ich dann auf den Jura Höhenweg gestossen. Dieser führt über 310 Kilometer in 15 Etappen von Dielsdorf in der Nähe des Flughafens Zürich bis nach Nyon am Genfersee. Die Wegführung sah für mich sehr interessant aus, also entschied ich mich im 2017 diese Wanderung zu unternehmen.

Etappe 1 | Diesldorf – Baden – Brugg (25 km) | 25.05.2017

Die winterlichen Temperaturen und damit auch der Schnee haben sich endlich verabschiedet. Doch die wenigen schönen Tage und meine Arbeit passten irgendwie nie zusammen. So musste ich die erste Etappe des Jura Höhenweges immer weiter nach hinten schieben. Dann kam langsam das Auffahrts-Wochenende in die Nähe. Die Wetterprognosen sahen gut aus, und auch meine Diensteinteilung meinte, dass ich mal wieder ein paar Freitage verdient hätte. So konnte also das Projekt «Jura Höhenweg 2017» endlich starten.

Der Wecker holte mich bereits um 04:10 Uhr aus dem Bett. Vom Berner Oberland her ist Dielsdorf halt nicht um die Ecke. Nachdem das Trinksystem gefüllt und im Rucksack installiert, sowie das Tagesgepäck ordnungsgemäss verstaut war ging es los an den Bahnhof, wo der Zug pünktlich um 05:20 Uhr losfuhr. Nach einer ruhigen und störungsfeien Fahrt mit Umsteigen in Bern und Zürich erreichte ich um 07:45 Dielsdorf.

Nach dem Einrichten aller nötigen technischen Geräte ging es dann kurz darauf auch schon los. Durch das noch ruhige Dielsdorf ging es stetig aber gemütlich bergauf in Richtung Regensberg. Einzig ein paar Spaziergänger mit ihren Hunden waren bereits unterwegs. Nach rund 30 Minuten war dann das mittelalterliche Städtchen Regensberg erreicht. Der Wanderweg führt mitten durch das historische Städtchen mit dem überragenden Schloss. Die gut erhaltenen und gepflegten mittelalterlichen Häuser reihen sich auf beiden Seiten der Strasse Haus an Haus.

Nach dem kurzen Ebenen Abschnitt durch Regensberg ging es kurz nach dem Städtchen gleich wieder bergauf. Etwas steiler ging es nun langsam in Richtung Hochwacht. Kurz vor dem Aussichtspunkt wandert man bei einer riesige, Kugel vorbei. Diese wird von Skyguide für die Flugüberwachung in der Region des Flughafens Zürich benötigt. Vorbei an einer weiteren Skyguide Antenne gelangt man schliesslich zur Aussichtsterasse Hochwacht. Hier hat man einen wunderbaren Blick über das Zürcher Unterland und den Aargau.

Nachdem ich neben ein paar weiteren Wanderern kurz die Aussicht genossen habe, ging es auch schon wieder weiter. Der Wanderweg wird aber hier zum Bergweg und ist auch entsprechend signalisiert. Der Weg wird immer schmaler. Aus der gemütlichen Wanderung ist inzwischen eine richtige Gratwanderung geworden. Ein solches Gelände kenne ich ansonsten aus dem Bergen. In dieser Region hätte ich so etwa niemals vermutet. Solche Gratwanderungen bereiten mir aber keine grossen Probleme, so ging es dann auch zügig über den Lägeren-Grat bis zum Schartenfels oberhalb von Baden.

Über unzählige Treppenstufen geht es nun bergab. Bei dem heutigen wunderbaren Wetter wurde es auf der engen Treppe teilweise recht eng, da sich doch der eine oder andere Spaziergänger für den Aufstieg zum Schaftenfels entschieden hat. Irgendwie habe ich es aber doch nach unten geschafft. Nach einem kurzen Marsch entlang der Limmat ging es dann bald einmal mit dem Lift vor den Bahnhof. Die Versuchung bereits hier in den Zug zurück nach Hause zu steigen war gross, doch ich gab nicht nach. So ging es dann also auf der anderen Talseite zuerst recht steil hoch zur Burg, welche über Baden thront.

Nach einer Besichtigung der Burg im Schnelldurchlauf (hier komme ich bestimmt noch einmal hier) ging es dann zuerst der Strasse entlang weiter in die Höhe, bevor es dann endlich wieder in den schattenspendenden Wald ging. Der nachfolgende Abschnitt über Baldegg bis zum Aussichtspunkt Gebensdorfer Horn verläuft grösstenteils im Wald weshalb man die Aussicht nicht wirklich geniessen kann. Beim Aussichtspunkt angekommen eröffnet sich vor einem das Wasserschloss der Schweiz. Hier fliessen zuerst die Reuss und kurz darauf die Limmat in die Aare. Vom Aussichtspunkt aus kann man das Naturschauspiel wunderbar beobachten.

Nach einer kurzen Pause ging es für mich dann auch schon wieder weiter. Bis nach Gebensdorf verläuft der Weg weiterhin im Wald. Einmal unten angekommen geht es aber nun mehrheitlich entlang von asphaltierten Strassen zuerst nach Windisch und schlussendlich nach Brugg. Einzig ein paar kurze Abschnitte zuerst entlang der Reuss, dann entlang der Aare sind angenehme Kieswege. Im Zentrum der Altstadt befindet sich dann auch der Hauptwegweiser. Hier verliess ich nun den Jura Höhenweg und begab mich zum Bahnhof.

Etappe 2 | Brugg – Staffelegg (16 km) | 27.05.2017

Nach nur einem Ruhetag stand heute bereits die zweite Etappe des Jura Höhenweges auf dem Programm. Die Temperaturen sollten noch höher steigen als die letzten Tage. So entschied ich mich für diese «kurze» Etappe so früh wie möglich zu starten. So ging der Wecker also noch einmal bereits um 04:10 los. Da mir während der letzten Etappe doch tatsächlich das Wasser ausging, packte ich heute noch eine Reserveflasche ein.

Die Anreise nach Brugg verlief wiederum störungsfrei. Nach nur einmal Umsteigen erreichte ich Brugg um 07:00 Uhr. Nach dem Start des GPS auf dem Bahnhofplatz ging die Wanderung nur kurze Zeit später los. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt ging es über die Aare. Von nun an ging es ziemlich steil zum Häxeplatz, einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt.

Nachdem ich ein paar Minuten die Aussicht genossen habe, ging es mehr oder weniger eben weiter in Richtung Umiken. Abwechslungsweise über Wiesen und durch Wälder ging es weiter bis Vierlinden. Hier muss die Hauptstrasse gequert werden, was je nach Verkehrsaufkommen und ohne Fussgängerstreifen nicht immer einfach sein dürfte. Nur ein paar 100 Meter später hatte man dann einmal mehr eine wunderbare Aussicht in Richtung Wildegg, mit der riesigen Zementfabrik. Hoch über Wildegg thront zudem die gleichnamige Burg.

Weiter ging es entlang des Feldweges durch den schattenspendenden Wald bis nach Linn. Dort steht kurz vor dem Dorfeingang eine riesige und uralte Linde. Gemäss einer Legende pflanzte der letzte Überlebende Linner die Linner 1668 auf den Gräbern der von der Pest dahingerafften Linner. In den folgenden Jahrhunderten traf sich die Dorfgemeinschaft regelmässig unter der Linde um zu feiern. Zudem tagte auch das Gericht unter der Linde.

Nach einer kurzen Pause wanderte ich dann auch schon weiter. Der Weg führte nun wieder in die Höhe, bis auf den Linnerberg. Von hier aus begann dann langsam der Abstieg in Richtung Staffelegg. Ich erreicht die Staffelegg um 11:10 Uhr. Der Bus in Richtung Aarau fuhr leider gerade 5 Minuten vorher. So begab ich mich also nochmal etwas in die Höhe an den Waldrand und genoss auf einem Bänkli die Sonne und die herrliche Aussicht.

Etappe 3 | Staffelegg – Hauenstein (20 km) | 05.06.2017

Nach einer Woche Nachtschicht hatte ich heute mal wieder frei. Nachdem es in den letzten Tagen teils sehr heftige Gewitter mit entsprechend viel Niederschlag gab, war für heute kein Regen gemeldet. So entschied ich mich die nächste Etappe unter die Füsse zu nehmen. Da ich noch etwas unter dem Jetlag nach dem Nachtdienst litt, stellte ich den Wecker heute mal etwas später. So ging es erst um 06:50 in Richtung Aarau. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Bus war die Staffelegg auch schon erreicht.

Nach dem einrichten der üblichen technischen Geräte ging es auch schon los. Auf einem breiten Feldweg ging es in Richtung Bänkerjoch. Immer im Blick der Turm auf der Wasserflue. Nach dem Bänkerjoch ging es dann langsam aber sicher in die Höhe. Bald einmal war der Grat erklommen. Da ich noch ein paar Kilometer vor mir hatte, entschied ich mich auf einen Abstecher zur Wasserflue zu verzichten. Hier komme ich aber bestimmt irgendwann nochmal hin. Über die Egg ging es dann weiter. Zwischen den Bäumen konnte man immer wieder etwas die die Weite schauen.

Bald einmal war dann die Salhöhe erreicht. Von hier ging es dann sanft in die Höhe. Nach kurzer Zeit stand ich dann vor einem weissen Wegweiser. Als ich die Anschrift las, musste ich doch etwas lachen. Der Wegweiser führt zum höchsten Punkt des Kanton Aargaus. Mit 908m Höhe aber für mich als Berner nicht wirklich bemerkenswert. Natürlich musste dieser Punkt kurz besucht werden. Oben angekommen wurde ich aber etwas enttäuscht. Das einzige was man dort findet ist ein Stein mit einer Tafel, sowie ein alter Grenzstein. Leider war die Aussicht fast komplett durch die Bäume versperrt.

Weiter ging es also bis zum höchsten Punkt dieser «Bergkette», auf die Geissfluh. Diese liegt jedoch schon im Kanton Solothurn. Beim Aussichtspunkt angekommen begann es aber leider dann zu regnen, weshalb von der Aussicht nicht mehr wirklich viel zu erkennen war. Bei leichtem Regen ging es nun also runter und auf der anderen Seite gleich wieder nach oben. Ab hier ging es dann mehr oder weniger unspektakulär über breite Feldwege weiter. Immer wieder konnte man jedoch in die Täler hinunterschauen und trotz Regen etwas in die Weite blicken.

Bald einmal war dann Froburg erreicht. Hier machte ich noch einen kurzen Umweg zum Sendeturm. Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht auf Olten und das Mittelland. Inzwischen hat auch der Regen wieder aufgehört. Durch das nasse Gras ging es dann weiter hinunter immer näher in Richtung Hauenstein. Um kurz vor 14 Uhr bin ich dann bei der Bushaltestelle angekommen. Pünktlich um 14:11 konnte ich dann auch schon den Bus nach Olten besteigen.


Adrian Schmid
3700 Spiez, Switzerland