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Schottland 2015

2015 war es mal wieder Zeit für eine Reise nach Schottland. Dafür eingeplant habe ich 10 Tage Ende August. Das Hauptziel der diesjährigen Reise war die Kyle of Lochalsh Line von Inverness durch die Highlands an die schottische Westküste, nach Kyle of Lochalsh.

Anreise

Meine Reise startete am 17. August am Flughafen Basel. Pünktlich startete der Easyjet-Flieger in Richtung Schottland, wo wir nach einem angenehmen Flug auch pünktlich ankamen. Nach dem Hitzesommer in der Schweiz genoss ich die milden Temperaturen in Edinburgh. Erst im Frühling war die neue Tramlinie vom Flughafen in die Stadt eröffnet worden. Diese musste ich natürlich sogleich ausprobieren. Das Tram hat zwar etwas länger als der Airportlink-Bus, ist aber gemütlicher. Das liegt wohl daran, dass es nicht so viele Leute hat, da man am Flughafen zuerst ein paar Meter zu Fuss zurücklegen muss. Nach dem Zimmerbezug blieben noch ein paar Stunden um bei schönstem Wetter etwas Sightseeing zu machen. Die Stadt stand zu dieser Zeit ganz im Zeichen des Edinburgh-Festivals.

Zwischen-Etappe Aberdeen

Bereits am nächsten Tag ging es weiter nach Aberdeen. Bereits vor ein paar Jahren war ich schon mal hier. Damals konnte ich mich mit der Stadt gar nicht anfreunden. So war es auch dieses Mal. Ich hatte erneut das Gefühl, dass Aberdeen nicht auf Tourismus ausgelegt ist, und das wohl auch nicht unbedingt möchte. In und um Aberdeen gibt es aber trotzdem ein paar Interessante Bereiche und Sehenswürdigkeiten. Drei dieser Sachen habe ich dieses Mal besucht.

Am ersten Tag standen Dunnideer und Huntly Castle auf dem Programm. Beide sind mit dem Zug und einem kleinen Spaziergang gut erreichbar. Dunnideer Castle in der Nähe von Insch stand schon länger auf dem Programm, jedoch hat sich bisher keine Gelegenheit ergeben. Ausser einem grossen Fensterbogen und ein paar Mauerresten ist von Dunnideer Castle nicht viel übrig geblieben. Viel ist über die Burg leider nicht bekannt. Es ist jedoch eine der ältesten Burgen in Schottland und wurde vermutlich um 1260 erbaut. Das Interessante bei der Burg ist jedoch die Zerstörung durch ein Feuer. Bei dem Feuer verglasten Teile der Mauern, was heisst, dass während einer längeren Zeit eine enorme Hitze geherrscht habe muss. Obwohl heute eigentlich recht gut erklärt werden kann, wie es zu so einer Hitze kommen konnte, sind die Ruinen bei Prä-Astronautikern noch immer sehr beliebt und zeugen als Beweis für einen Ausserirdischen Angriff mit modernen Waffen.

Von Insch fuhr ich dann eine Station weiter nach Huntly. Nach einem ca. 30 minütigen Spaziergang durch das typisch schottische Städtchen erreicht man Huntly Castle – die Überreste des ehemaligen Familiensitzes des Gordon Clans. Aus einer kleinen Motte im 11. Jahrhundert hat sich über die Jahrhunderte ein grosses Castle entwickelt. Während den schottischen Unabhängigkeitskriegen gastierte hier Robert the Bruce. 1449 wurde die Burg durch den Earl of Moray während der Abwesenheit der Familie Gordon niedergebrannt. Schon kurz darauf wurde am selben Ort eine noch grössere Burg errichtet. Nachdem die Gordons um 1650 die Herrschaft über Huntly Castle verloren begann die Burg schon bald zu verfallen. Das Castle wurde anschliessend als Steinbruch genutzt und verfiel dadurch immer mehr. Erst im 19. Jahrhundert gelang es einer Nostalgiebewegung die Überreste zu sichern und zu erhalten. Seit 1923 gehört Huntly Castle wieder dem Gordon Clan. Verwaltet und gepflegt wird es jedoch durch Historic Scotland.

Am zweiten Tag in Aberdeen stand die nähere Umgebung der Stadt auf dem Programm. Am Morgen ging es los zur Torry Halbinsel. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und den Hafen. Auf der Halbinsel befindet sich aus diesem Grund auch ein Leuchtturm und ein ehemaliges Artilleriewerk, Torry Batterie genannt. Torry Batterie wurde sowohl während des ersten als auch während des zweiten Weltkrieges benutzt. Die Anlage verfällt leider immer mehr und wird nicht sehr gut gepflegt. So wurden leider alle Informationstafeln entfernt. Um die Halbinsel herum führt ein schlecht unterhaltener Wanderweg. Gleich beim historischen, aber noch immer gebrauchten Leuchtturm steht ein altes Nebelhorn. Das mit Druckluft betriebene Horn wird heute nicht mehr verwendet, wurde aber erhalten und restauriert.

Nach dem Besuch der Torry Halbinsel begab ich mich zum Hafen. Im Hafen von Aberdeen legen unter anderem die grossen Transportschiffe an, welche Waren von und zu den Öl-Bohrinseln vor der Küste bringen. So entsteht zu gewissen Zeiten ein regelrechter Stau vor dem Hafen. Gleich beim Hafen befindet sich der historische Ortsteil Footdee. Innerhalb der schützenden Hafenmauern ist das kleine Fischerdörfchen erhalten geblieben. Die kleinen ein- und zweistöckigen Häuser sind entlang von zwei Strassen gebaut. Im Zentrum befindet sich die Kirche. Footdee ist einer der Orte, welchen man unbedingt gesehen haben muss, wenn man in Aberdeen ist. Ab dem Hafen erstreckt sich schliesslich die Meerpromenade über mehrere Kilometer dem Stand entlang. Die vielen Bänke und kleinen Stände laden zum Verweilen ein.

Inverness und Umgebung

Am nächsten Tag ging es bereits weiter nordwärts. Nach rund 2 Stunden Zugfahrt war Inverness, das nächste Ziel, erreicht. Beim ersten Besuch in Inverness 2013 gefiel es mir so gut, dass ich unbedingt nochmal hierher kommen wollte. Es wird auch dieses Mal nicht das letzte Mal sein. Im Gegensatz zu Aberdeen lebt Inverness unter anderem auch vom Tourismus, was man sehr gut merkt. Alles wirkt sehr gepflegt und gut unterhalten. Direkt nach dem Zimmerbezug machte ich mich auf in Richtung Ness Islands. Etwas ausserhalb der Stadt befinden sich im River Ness einige kleinere und grössere Inseln, welche untereinander mit Brücken verbunden sind. Der teilweise dichte Wald auf den Inseln macht Ness Islands zu einem beliebten Naherholungsgebiet. Zu Fuss ist das Gebiet innerhalt von etwa 20 Minuten ab dem Stadtzentrum zu erreichen. Auf der grössten Insel befindet sich neben einem grossen Spielplatz auch ein kleiner See mit Ruderbotten. Zudem fährt euch eine kleine Eisenbahn – die Ness Islands Railway Co – um die Insel herum.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der schottischen Kultur. In Invergordon fand an diesem Tag das Highland Gathering statt. Den meisten dürfte dies jedoch unter dem Namen Highland Games bekannt sein. In verschiedenen traditionellen Kategorien treten meist Leute aus der Gegend gegeneinander an. Die Highland Games stammen aus der Zeit der keltischen Könige. Damals dienten sie dazu, die stärksten und schnellsten Männer Schottlands zu finden. Diese wurden nicht selten anschliessend beim König als Leibwächter und Boten angestellt. Heute dienen die Highland Games vor allem der Unterhaltung. Die traditionellen Wettbewerbskategorien beinhalten Highland-Tanz, das Dudelsackspiel, sowie die Heavy Events. Bei den Heavy Events treten die stärksten Männer im Stein- Hammer- und Baumstammwerfen gegeneinander an. Zusätzlich gibt es auch die leichteren sportlichen Wettbewerbe wie Stafettenlauf, Hoch- und Weitsprung. Beim Dudelsackspiel treten die Teilnehmer einzeln oder als Band auf und werden von einer Jury bewertet. Dasselbe gibt es auch beim traditionellen Higland-Dancing. Die Highland Games in Invergordon fanden dieses Jahr erst zum zweiten Mal statt. Trotzdem fanden sich während des Tages immer mehr Besucher auf dem Gelände der Whyte & Mackay Whisky-Destillerie ein und wurde so zu einem grossen Volksfest.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg ins Städtchen Elgin, um die dortigen Ruinen von Elgin Cathedral zu besichtigen. Da ich jedoch am Nachmittag noch anderes Programm hatte, beschränkte ich mich auf die Besichtigung von aussen, gefolgt von einem kurzen Rundgang durch das Städtchen. Gegen Mittag habe ich mich dann auf den Weg zurück nach Inverness gemacht. Dort stand dann am Nachmittag der Caledonian Canal auf dem Programm.

Zu Fuss begab ich mich zum grossen Canal Park, ein grosses Naherholungsgebiet westlich von Inverness. Entlang des Caledonian Canals führt ein schöner, gut gepflegter Weg, welchem ich in Richtung Norden folgte. Unterwegs kamen immer wieder Schiffe in allen Grössen entgegen. Gegen Ende des Kanals kommt man schliessen an den zahlreichen Schleusen vorbei, mit welchen die Schiffe die grossen Steigungen des Kanals überwinden könne. Leider war gerade kein Schiff dabei, durch die Schleusen zu fahren, so dass ich meine Wanderung in Richtung Einmündung fortsetzte, wo ich schliesslich am späteren Nachmittag ankam. Aber der Einmündung ging es dann noch etwas weiter zu einem Aussichtpunkt, von wo aus man einen wunderbaren Ausblick auf die Einmündungen des Kanals und des River Ness hat, überragt von der North Kessok Bridge. Von dort aus ging es dann dem River Ness entlang zurück in die Innenstadt.

Kyle of Lochalsh Line

Am Nächsten Tag stand mit der Kyle of Lochalsh Line das nächste Highlight der diesjährigen Schottlandreise auf dem Programm. Ab Inverness führt die Bahnstrecke zuerst in Richtung Norden bis Dingwall. Dort trennt sich die Linie von der Far North Line und führt westwärts durch die Highlands.

Der erste Teil der Strecke, von Dingwall nach Stromeferry wurde 1870 eröffnet. In Stromferry bestand damals Anschluss an die Schiffe zur Isle of Skye. Ab 1893 wurde die Strecke dann bis in den heutigen Endpunkt Kyle of Lochalsh verlängert. Ende der 1960er Jahre stand die Strecke kurz vor der Einstellung. Dank der Erdölindustrie konnte die Einstellung der Strecke jedoch verhindert werden. Schlussendlich entdeckte der Tourismus die Strecke und so besteht die Linie noch heute.

Die Fahrt von Inverness nach Kyle of Lochalsh dauert ca. 2.5 Stunden. So war ich kurz vor Mittag in Kyle of Lochalsh um die Stadt und Umgebung etwas zu erkunden. Ab Kyle of Lochalsh führt die Strasse über eine Brücke zuerst zur kleinen Insel Eilean Ban und ab dort über eine grössere Brücke zur Isle of Skye. Die Brücke kann auch zu Fuss überquert werden und ist ab dem Bahnhof in ca. 30 Minute erreichbar. Am anderen Ende der Brücke befindet sich das Dörfchen Kyleakin. Da der Zug zurück nach Inverness jedoch schon bald wieder abfuhr, reichte es mir leider nicht für einen Besuch des Dörfchens. Die Isle of Skye steht aber durchaus auf dem Programm für eine weitere Reise. Zurück in Inverness stattete ich noch dem dortigen Castle einen Besuch ab. Da das Schloss noch heute Regierungssitz ist, kann es nur von aussen besichtigt werden.

Rosslyn Chapel und Britannia

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Rückreise nach Edinburgh. Ausser dem Erkunden von mir bisher nicht bekannten Orten in der Stadt gab es ansonsten an diesem Tag keine Pläne. Diese waren erst für den nächsten Tag vorgesehen.

Schon lange wollte ich Rosslyn Chapel besuchen. Für diese Schottlandreise habe ich mir das nun endlich fest vorgenommen. Rosslyn Chapel dürfte den meisten aus dem Dan Brown Roman Sakrileg bekannt sein, wo in der Kapelle der Heilie Gral sowie ein enormer Schatz der Tempelritter vermutet wird. Mit dem Bus ist die Kapelle ab Edinburgh in ca. 30 Minuten erreichbar. Bei der Kapelle gibt es ein Besucherzentrum, wo die Geschichte der Kapelle aufgezeigt wird. Auch auf die angeblichen Tatsachen aus Sakrileg werden genauer angeschaut und die meisten davon widerlegt. Der Besuch der Kapelle ist sehr interessant, und so gut wie alle Teile können besichtigt werden. Nach dem Besuch der Kapelle machte ich noch einen kleinen Spaziergang in den in der Nähe gelegenen Park, wo ich zum ersten Mal vom schottischen Wetter überrascht wurde. Vom blauen Himmel zu Sintflutartigen Niederschlägen und zurück in ca. 20 Minuten. Den Regenschirm hatte ich natürlich heute im Hotel vergessen, sodass ich unter einem Baum Schutz suchen musste. Komplett durchnässt habe ich mich daraufhin zurück ins Hotel begeben.

Nach dem Umziehen ging es dann weiter in den Hafen von Edinburgh. Nach der Besichtigung der Hafenanlage mit teils riesigen Schiffen habe ich mich für den Besuch der königlichen Yacht Britannia entschieden, welche nach der Ausmusterung im Hafen von Edinburgh stationiert wurde. Die 1953 in Schottland erbaute Yacht ist mit sämtlichem Luxus ausgestattet, welcher die königliche Familie während ihren Reisen benötigte. Das heutige Museumschiff kann von oben bis unten besichtigt werden. Man erhält so einen kleinen Einblick in das Leben der königlichen Familie. Mittels Audioguide in verschiedenen Sprachen wird während der Tour alles erklärt.

Nach dem Besuch im Hafen ging es dann bereits zurück ins Hotel um für die Heimreise zu packen. Nach einem gemütlichen Abend in einem Pub ging es dann am nächsten Morgen mit dem Tram an den Flughafen, wo die Reise dann ihren Abschluss nahm.

Adrian Schmid
3700 Spiez, Switzerland